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100 Jahre Günter Grass: Das internationale Jubiläumsjahr 2027 

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Das Lübecker Günter Grass-Haus stellt das Jubiläumsprogramm für 2027 vor. Eine neue Dauerausstellung, die Nobelpreisträgerbibliothek, der „Tintenfleck“ – ein neuer Ort von Cornelia Funke –, internationale Kooperationen, Theater, Musik, Lesungen und Begegnungsformate machen das Jubiläumsjahr zu einem vielseitigen Kulturereignis für Menschen jeden Alters. Ob GrassKenner oder neugieriger Erstentdecker, ob Literaturfan oder Museumsgast, ob Kind, Jugendlicher oder Erwachsener: 2027 eröffnet zahlreiche Zugänge zu einem der bedeutendsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. 

Im Jahr 2027 jährt sich der Geburtstag des Literaturnobelpreisträgers, Bildhauers, Malers und Grafikers Günter Grass zum 100. Mal. Das Günter Grass-Haus in Lübeck richtet gemeinsam mit einem internationalen Netzwerk von Partnern ein facettenreiches Festjahr aus, das Literatur und Bildende Kunst ebenso verbindet wie Theater, Musik, Wissenschaft und kulturelle Bildung. Das Jubiläumsjahr lädt dazu ein, Grass’ Werk neu zu entdecken, bekannte und unbekannte Seiten seines Schaffens kennenzulernen und seine Themen aus heutiger Perspektive zu diskutieren. Grass’ Geburtsstadt Danzig und sein langjähriger Wirkungsort Lübeck bilden die Zentren des Jubiläumsjahres. Von dort aus spannt sich ein Netzwerk über Deutschland und Europa bis nach Übersee. 

„Günter Grass hat die Öffentlichkeit als Schriftsteller und politischer Intellektueller immer wieder herausgefordert. Wir möchten die Aktualität seiner Lebensthemen wie Krieg, Flucht, Kampf gegen Rechtsradikalismus, soziale Ungleichheit oder Umweltzerstörung und zugleich die ästhetische Qualität seiner Weltliteratur und Kunst aufzeigen. Das Jubiläumsjahr ist für uns deshalb kein nostalgischer Rückblick, sondern ein Auftrag, sein Werk neu zu entdecken, kritisch zu befragen und für kommende Generationen lebendig zu halten. Ich danke allen, die dazu beitragen.“
Dr. Jörg-Philipp Thomsa, Direktor des Günter Grass-Hauses 

Kaum ein deutschsprachiger Autor des 20. Jahrhunderts hat Zeitgeschichte so intensiv erfasst und mitgestaltet wie Günter Grass. Von seinem Debütroman und Welterfolg Die Blechtrommel (1959) bis zu seinem Spätwerk setzte er sich mit Schuld, Scham und Ideologien auseinander. Sein künstlerisches Schaffen reichte weit über die Literatur hinaus und umfasste Zeichnung, Grafik und Bildhauerei. Das Jubiläumsjahr greift die unterschiedlichen Facetten auf und richtet sich ausdrücklich nicht nur an ein Fachpublikum. Es bietet sowohl Kennern die Möglichkeit, Grass neu und kritisch zu betrachten, als auch Menschen, die sein Werk bislang kaum oder gar nicht kennen, einen unkomplizierten Zugang zu seinem vielfältigen Schaffen. 

Lübeck im Zentrum: Neues Museumserlebnis und großes Geburtstagsfest 

Das Günter Grass-Haus eröffnet am 17. April 2027 eine neu gestaltete, multimediale Dauerausstellung. Rund 800 Objekte aus der Werkstatt von Günter Grass in Behlendorf wurden neu erworben und werden erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Zum Nachlass gehören persönliche Gegenstände und Arbeitsutensilien wie Grass’ Schreibmaschine, seine Brillen, sein Reisepass oder seine Pfeifen sowie Objekte, von denen sich der Wort- und Bildkünstler inspirieren ließ, darunter Pilze, Bernstein oder getrocknete Kröten. 

Ein bislang nicht als Ausstellungsraum genutzter, von der Günter und Ute Grass Stiftung angemieteter Seitenflügel wird künftig Teil des Museumserlebnisses und beherbergt die mehr als 4.000 Bände umfassende Nobelpreisträgerbibliothek aus Behlendorf, die ebenfalls erstmals der Öffentlichkeit gezeigt wird. Die Bücher mit persönlichen Widmungen und Anmerkungen geben Einblicke in Grass’ Interessen, literarische Vorbilder und geistige Bezugspunkte und eröffnen damit einen besonderen Zugang zu seinem Leben und Arbeiten.

Ein neuer Zukunftsort entsteht mit dem „Tintenfleck“ in der Glockengießerstraße 19. In direkter Nachbarschaft zum Günter GrassHaus eröffnet im Frühjahr 2027 in Kooperation mit der international erfolgreichen Kinder- und Jugendbuchautorin Cornelia Funke ein neuartiger Raum für Leseförderung, Austausch und kulturelle Teilhabe. Wie Grass verbindet auch Funke in ihrem künstlerischen Schaffen Wort und Bild. Der „Tintenfleck“ wird nicht nur Manuskripte, Arbeitsutensilien und Illustrationen der Erfolgsautorin zeigen, sondern zu einem lebendigen Begegnungsort werden, an dem Cornelia Funke regelmäßig vor Ort sein wird. Insbesondere Kinder und Jugendliche sollen hier für Literatur und ökologische Bildung begeistert und zur gesellschaftlichen Mitgestaltung angeregt werden. Die Umbaumaßnahmen werden durch eine großzügige Förderung des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Possehl-Stiftung und der Gemeinnützigen Sparkassenstiftung zu Lübeck ermöglicht.

Die „Grass-Nacht“ am 16. Oktober 2027, dem 100. Geburtstag von Günter Grass, bildet den Höhepunkt des Festjahrs. In Lübeck entsteht an diesem Abend ein großes Kulturfest für die Stadt, das freie Kulturschaffende, Theater, Vereine, Bildungseinrichtungen und prominente Gäste zusammenbringt. Zum Auftakt führt ein großer Bürger- und Musikzug unter dem Motto „Trommeln für die Demokratie“ vom Günter Grass-Haus zum Holstentor. Dort erwartet die Bürger ein außergewöhnliches Programm. Lesungen, Musik und Schauspiel verwandeln zahlreiche Spielorte in der Altstadt in Bühnen für ein gemeinsames Fest. Auch Theater und Orchester greifen Grassʾ Werk und seine politische Wirkung auf. Das Theater Lübeck bringt Mein Jahrhundert (26.6.–4.7.2027) als Freilichtinszenierung im Stadion des VfB Lübeck an der Lohmühle auf die Bühne. Ende 2027 erinnert die „Stiftung zum 7. Dezember 1970“ mit einem Kniefall-Konzert und einer Lesung in der Musik- und Kongresshalle an Willy Brandts historische Geste in Warschau und an den Briefwechsel zwischen Brandt und Grass. 

Internationale Stationen: Von Danzig in die Welt 

In Grass’ Geburtsstadt Danzig haben sich zahlreiche Institutionen zusammengeschlossen, um das Erbe des Ehrenbürgers zu würdigen. Das Ehrenpatronat übernimmt Władysław Zawistowski, Rektor der Universität Danzig und Marschall der Woiwodschaft Pommern. Die Universität Danzig richtet die internationale Konferenz „Geopoesie – Geopoetik – Geopolitik. Günter Grass und Danzig“ (21.–23.10.2027) aus. Ergänzt wird die Konferenz durch eine öffentliche Vorlesungsreihe. Das Teatr Wybrzeże zeigt eine Uraufführung zur Biografie von Günter Grass und das Nationalmuseum Danzig präsentiert Grass’ bildkünstlerisches Werk aus seiner Sammlung im Dialog mit zeitgenössischen Positionen aus Danzig. 

International wird das Jubiläumsjahr durch Ausstellungen und Kooperationen sichtbar. In Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut tourt die modulare Ausstellung 100 Jahre Grass durch Standorte in Europa und Übersee. Reproduktionen aus dem Bestand des Günter Grass-Hauses eröffnen einen Blick auf weniger bekannte Facetten von Grass, etwa seine Leidenschaft für das Tanzen und Kochen. Weitere internationale Ausstellungen, etwa im H.C. Andersens Hus in Odense zur künstlerischen Auseinandersetzung Grass’ mit Märchen oder in der Casa di Goethe in Rom zu seinen Beziehungen zu Italien, rücken Grass’ europäische Bezüge in den Mittelpunkt. 

Grass in Deutschland: Theater, Musik und Ausstellungen 

Das Jubiläum wird bundesweit mit zahlreichen Veranstaltungen gefeiert. Das Schleswig-Holstein Musik Festival richtet in Zusammenarbeit mit dem Günter Grass-Haus in der Elbphilharmonie Hamburg eine hochkarätige Veranstaltung im Großen Saal mit prominenter Besetzung aus. Die bremer shakespeare company bringt am 13. März 2027 mit Wunden, die sich nicht mehr schließen. Mensch Grass – ein Spiel ein multimediales Theaterereignis zur Uraufführung. Texte, Figuren und Bildwelten von Grass verbinden sich darin zu einer Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte. Die Uraufführung wird von der Günter Grass Stiftung Bremen initiiert und gefördert. 

Weitere Theaterpremieren in Düsseldorf und Hamburg sowie Sonderausstellungen, unter anderem im Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung in Berlin, machen 2027 zu einem bundesweiten Grass-Jahr. Das Museum Würth in Künzelsau widmet Günter Grass ab dem 1. August 2027 eine monografische Ausstellung, die zahlreiche Positionen des bildkünstlerischen Werks mit den literarischen Texten vereint. Die Sammlung Würth verwahrt mehr als 660 Zeichnungen, Grafiken und Skulpturen von Grass, die seit 1997 durch die langjährige Bekanntschaft des Sammlers und Unternehmers Reinhold Würth mit Günter Grass kontinuierlich Eingang in die Sammlung gefunden haben. 

Trommeln für die Demokratie: Das sichtbare Zeichen des Jubiläums 

Als weithin sichtbares Wahrzeichen wird 2027 ein Heißluftballon mit der ikonischen Zeichnung des trommelnden Oskar Matzerath aus Die Blechtrommel aufsteigen. Der Heißluftballon wird von der Adolf Würth GmbH & Co. KG gesponsert und steht sinnbildlich für ein Jubiläum, das literarisches Erbe mit Fantasie, Weltoffenheit und dem Signal für eine wehrhafte Zivilgesellschaft verknüpft. Die Zeichnung des trommelnden Oskar stammt aus Grassʾ eigener Hand und steht beispielhaft für die Verbindung von Wort und Bild, die sein künstlerisches Schaffen prägt. Diese Doppelbegabung betont auch Maria Würth, Geschäftsbereichsleiterin Kunst und Kultur der Würth-Gruppe, die das Festjahr begleitet: „Günter Grass war nicht nur ein großer Schriftsteller und ein politischer Geist, auch als herausragender Maler, Bildhauer und Zeichner bewegt sein Werk bis heute. Mein Großvater Reinhold Würth, der ihn als Sammler mehrfach traf und sich immer wieder mit ihm austauschte, schätzt sein Schaffen sehr. Demgemäß freuen wir uns auf viele anregende, lebendige Begegnungen mit dem Werk von Günter Grass im Jubiläumsjahr und nicht zuletzt darauf, den ‚Blechtrommel‘-Heißluftballon fahren zu sehen.“ 

Ein Jubiläum mit Reibungsflächen 

Zu Grass’ Werk und seiner Biografie gehören auch Kontroversen, politische Auseinandersetzungen und Widersprüche. Die kritische Beschäftigung mit diesen Reibungsflächen ist deshalb ein wichtiger Bestandteil des Programms. Im Frühjahr 2027 erscheint der Sammelband Günter Grass – Kontroversen und Skandale im Ch. Links Verlag. Er beschäftigt sich unter anderem mit der späten Offenlegung von Grass’ Jugend in der Waffen-SS sowie mit den Debatten um seinen Roman Ein weites Feld (1995) oder sein Gedicht Was gesagt werden muß (2012). Ein internationales Kolloquium im Mai 2027 im Günter Grass-Haus widmet sich dem 1977 erschienenen Roman Der Butt und befragt nicht zuletzt seine Aktualität hinsichtlich Ökologie und Geschlechterrollen. 

Das Jubiläumsjahr verbindet damit unterschiedliche Generationen, Interessen und Formen der Auseinandersetzung. Es reicht vom sinnlichen Museumserlebnis über Kinder- und Jugendangebote bis zu Theater, Musik, internationalen Ausstellungen und wissenschaftlicher Forschung. Wer Grass bereits kennt, kann neue Seiten seines Werks entdecken. Wer ihm bisher noch nicht begegnet ist, findet zahlreiche Möglichkeiten, ihn erstmals kennenzulernen.

Ausführliche Informationen zum Programm sowie laufende Terminergänzungen finden Sie unter www.grass100.de 

 

Mitwirkende des Jubiläumsjahrs zum 100. Geburtstag von Günter Grass 2027: 

Adolf Würth GmbH & Co. KG; Danziger Literaturhaus; Deutsch-Polnische Gesellschaft, Danzig; Deutschlandfunk Nova; Gemeinschaft Lübecker Künstlerinnen und Künstler e.V.; Günter Grass Gesellschaft, Danzig; Günter Grass Stiftung Bremen; Günter Grass-Haus, Lübeck; Günter und Ute Grass Stiftung, Lübeck; Gustav Kiepenheuer Bühnenvertrieb; Horst-Janssen-Museum Oldenburg; Kaschubisches Freilichtmuseum in Wdzydze; Kulturhaus Oliwa, Danzig; Literaturarchiv der Akademie der Künste, Berlin; Lübeck und Travemünde Marketing GmbH; Militärhistorisches Museum der Bundeswehr Dresden; Miniatur Wunderland Hamburg; Nationalmuseum Danzig; NDR; Nordische Filmtage; Overbeck-Gesellschaft, Lübeck; S. Fischer Verlag; Schleswig-Holstein Musik Festival; Shakespeare Theater, Danzig; Theater Lübeck; Theater Wybrzeże; Universität Danzig u. a. 

Kurzbiografie: Günter Grass (1927–2015) 

Günter Grass, 1927 in Danzig geboren, war Schriftsteller, Bildhauer, Maler und Grafiker. Weltruhm erlangte er 1959 mit seinem Debütroman Die Blechtrommel; 1999 wurde er mit dem Nobelpreis für Literatur geehrt. Sein künstlerisches Schaffen verband Literatur und Bildende Kunst; Grass studierte an den Kunstakademien in Düsseldorf und Berlin. Zeitlebens mischt sich Grass in politische Debatten ein, engagierte sich für Demokratie, Menschenrechte sowie Pluralismus und setzte sich für die deutsch-polnische Aussöhnung ein. Kontroversen begleiteten sein Wirken, insbesondere die Offenlegung seiner Jugend in der Waffen-SS im Jahr 2006. Seinen Lebensabend verbrachte Grass in Behlendorf nahe Lübeck. Heute erforscht und präsentiert das Günter Grass-Haus sein Leben und Werk. 

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