Restaurierung des Maria Magdalenen-Retabels: Gesamtkunstwerk 2027 im St. Annen-Museum
Pressemitteilung als PDF
Das St. Annen-Museum restauriert mit Hilfe der Ernst von Siemens Kunststiftung das kostbare Maria Magdalenen-Retabel von 1519 öffentlich und führt das bedeutende Werk mit Malereien von Erhard Altdorfer erstmals seit Jahrhunderten wieder mit den Tafeln aus Ohio zusammen.
AB JETZT BIS 23. AUGUST 2026:
Die aufwändigen Konservierungsarbeiten sind ab sofort öffentlich und live im Remter des St. Annen-Museums zu sehen. Regelmäßige Führungen bieten hautnah Einblicke in die Arbeit der Restaurator:innen.
AB 27. FEBRUAR 2027:
Das Jubiläumsjahr der Stadtheiligen bietet einen ganz besonderen kulturhistorischen Moment: Erstmals seit über 200 Jahren wird das monumentale Retabel wieder vollständig in Lübeck zu sehen sein. Möglich wird dies durch die Zusammenführung des spektakulären Neuerwerbs (linker Flügel) mit hochkarätigen Leihgaben aus Ohio (rechter Flügel).
Das Maria Magdalenen-Retabel ist eines der wichtigsten spätmittelalterlichen Schnitzretabeln der Sammlung des St. Annen-Museums.
Es wurde im Jahr 1519 von den Schneidergesellen für die Lübecker Burgkirche in Auftrag gegeben und eint qualitätsvolle Schnitzkunst mit fein ausgeführten Tafelmalereien von Erhard Altdorfer. Rechtzeitig vor dem großen Jubiläum der Stadtheiligen im kommenden Jahr dürfen Kulturbegeisterte den Expertinnen nun exklusiv über die Schulter schauen: Bis zum 23. August 2026 sind die aufwändigen Konservierungsarbeiten öffentlich im Remter des Museums zu sehen.
Grundlage für diesen besonderen Moment ist ein Zusammenspiel von internationaler Kooperation und einem jüngst geglückten Ankauf: Die bisher verschollen geglaubten Tafeln des linken Außenflügels konnten 2025 nach Lübeck zurückgeführt werden. Im kommenden Jahr werden sie zusammen mit kostbaren Leihgaben aus dem Memorial Art Museum in Ohio vereint, die einstmals den rechten Außenflügel bildeten und das Ensemble komplementieren – ein Jahrhundert-Ereignis für die Kunstwelt und die Geschichte der Hansestadt.
Live-Einblicke und Führungen vor Ort
Ein Team von Restauratorinnen kann sich dank der großzügigen Förderung durch die Ernst von Siemens Kunststiftung der intensiven Pflege und Konservierung des meisterhaften Retabels widmen. Bei der Reinigung und Bearbeitung werden einzelne Skulpturen und Reliefs nach und nach aus dem Schrein entnommen.
Da ein Großteil dieser filigranen Arbeit direkt vor den Augen der Öffentlichkeit im Remter stattfindet, bietet sich für die Besucher:innen während der regulären Öffnungszeiten des Museums die einmalige Gelegenheit, die faszinierende Struktur und die zahllosen Einzelteile eines spätmittelalterlichen Retabels aus nächster Nähe zu studieren. Vertiefende Einblicke in diesen komplexen Arbeitsprozess sowie in die kunsthistorische Bedeutung bietet zudem am 9. Juli eine gemeinsame Sonderführung der leitenden Restauratorin und der zuständigen Kunsthistorikerin.
Bedeutende Wiedervereinigung zum Jubiläum 2027
Diese laufenden Maßnahmen bilden den Auftakt für ein historisches Ereignis im nächsten Jahr. 2027 feiert die Hansestadt Lübeck ein besonderes Jubiläum: Seit 800 Jahren ist Maria Magdalena die Stadtheilige Lübecks. Am 22. Juli 1227 - dem Patronatstag der Heiligen –siegte die Hansestadt in der legendären Schlacht von Bornhöved und konnte sich dadurch von der dänischen Vorherrschaft befreien.
Anlässlich des Jubiläums präsentiert das St. Annen-Museum das Retabel 2027 in einer außergewöhnlichen Konstellation: Erstmals seit über 200 Jahren werden alle erhaltenen Bestandteile des Altarwerks in ihrer Gesamtheit in Lübeck gezeigt. Mit den 2025 nach Lübeck zurückgekehrten Tafeln erweiterte das St. Annen-Museum seine Sammlung zugleich um zwei besonders bedeutende Malereien aus dem Œuvre Erhard Altdorfers. Die bewegten und durchdacht komponierten Szenen zeigen die Irrfahrt der Maria Magdalena und die Errichtung einer Kirche durch ein von ihr bekehrtes Fürstenpaar.
Für das Ausstellungsjahr 2027 wird dieses Ensemble nun final komplettiert: Die Gemälde des rechten Außenflügels, die sich seit Mitte des 20. Jahrhunderts in den USA befinden, kommen als Leihgabe aus dem Memorial Art Museum (Ohio) zurück nach Lübeck. Eine dieser amerikanischen Tafeln zeigt eben jene historische Schlacht von Bornhöved; eine weitere bildet das Holstentor im Hintergrund ab und stellt so den direkten, tiefen Bezug zur Geschichte der Hansestadt her.
Der Rückkauf der verschollenen Tafeln wurde durch die großzügige und engagierte Unterstützung namhafter Institutionen ermöglicht. Das St. Annen-Museum dankt der Kulturstiftung der Länder, der Ernst von Siemens Kunststiftung, der PossehlStiftung, der Friedrich Bluhme und Else Jebsen-Stiftung, dem Verein der Freunde der Museen für Kunst- und Kulturgeschichte der Hansestadt Lübeck sowie einigen engagierten privaten Spender:innen.